Fachtagung zum Schlussdokument von Aparecida, Schmerlenbach, 10.-11. Januar 2008
76 Interessierte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, fast alle mit pastoralen Erfahrungen in Lateinamerika, zeigten bei der Tagung ihre Erwartung, dass die Ergebnisse von Aparecida auch in den Kirchen Europas Resonanz finden sollen. Die Übersetzung des Dokuments durch die Deutsche Bischofskonferenz wurde gerade rechtzeitig fertig gestellt und auf der Tagung vorgestellt.
Norbert Arntz, der als Beobachter in Aparecida dabei war (zusammen mit Maria Schwabe) das Dokument ins Deutsche übersetzt hatte, führte in das Thema ein. Für Arntz ist Aparecida mehr als nur das Dokument – die Vorgeschichte der Versammlung und ihr Kontext machen für ihn deutlich, dass Aparecida alle Erwartungen übertroffen hat. Arntz stellte heraus, dass die Option für die Armen nun wieder selbstverständlicher Bestandteil des lateinamerikanischen Lehramts sei, nun mit den neuen Stichworten der „Ausgeschlossenen“ und des „menschlichen Abfalls“. Er ging auch kurz auf die umstrittenen Textveränderungen, v.a. im Text über die Basisgemeinden ein, warnte aber davor, ihretwegen über die vielen positiven Ergebnisse der Versammlung hinwegzugehen.
Auch im Vortrag von Kardinal Errázuriz, der von Julia Stabentheiner verlesen wurde, da der Kardinal krankheitsbedingt nicht angereist war, wurde auf die Option für die Armen und Ausgeschlossenen verwiesen. Nicht zuletzt machte Errázuriz auf das Stichwort der „pastoralen Umkehr“ aufmerksam, welche die Bischöfe für die lateinamerikanische Kirche fordern.Bernd Klaschka und Josef Sayer, die für Adveniat und Misereor an der Versammlung teilgenommen hatten, erzählten sehr lebendig vom Verlauf von Aparecida. Sie hoben hervor, dass es echte Freiräume für Mitbestimmung und Mitentscheidung aller, auch der ExpertInnen unter den Laien, gegeben habe. Auf diese Weise sei ein Text entstanden, mit dem alle leben könnten.
Thomas Schreijäck, der mit Amerindia im Umfeld der Versammlung gearbeitet hatte, zeigte Perspektiven für die Umgestaltung der hiesigen Pastoral auf. Vorrangige Optionen in unseren Ländern müssten die anderen Gesichter der Armen achten und sich in die Zivilgesellschaft einbringen.
Drei Arbeitskreise, die anschließend auf einem Podium präsentiert wurden, fragten genauer nach Perspektiven für unsere Pastoral: Michelle Becka thematisierte die Klarheit, mit der in Lateinamerika Optionen ausgesprochen werden. Kann auch die deutsche Kirche Optionen vertreten? Hartmut Köß fragte, wie es die Kirche in Deutschland schaffen kann, von den eigenen bürgerlichen Kategorien abzusehen, um die Perspektive des Reiches Gottes einzunehmen. Ursula Silber forderte, die Berufung der Frauen und Männer im Laienstand ernst zu nehmen und das Verhältnis von Kirche und Welt im Sinn des Konzils zu klären.
Die Texte der Tagung werden in der nächsten Ausgabe der Zeitschrift für Missionswissenschaft und Religionswissenschaft [http://www.unifr.ch/zmr/] dokumentiert.
Download der Übersetzung des Dokuments von Aparecida: www.dbk.de
Download des Originaldokuments: www.celam.info
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