Sonntag, 9. März 2008

Lebensgeschichten aus Bolivien


Dreiundzwanzig Menschen aus Bolivien kommen in diesem Buch zu Wort und erzählen ihre Lebensgeschichte. Keine Berühmtheiten, sondern einfache, „ganz normale“ Menschen, jede und jeder mit einer ganz eigenen, unverwechselbaren Biografie. Keine dieser Biografien war von dem verwöhnt, was wir uns in Europa unter Lebensglück vorstellen – aber jede von ihnen scheint es in irgendeiner Form zu Glück gebracht zu haben, zumindest scheint es aus fast allen dieser Lebenserzählungen. Diese sind so vielfältig wie es die Menschen in Bolivien sind: Frauen und Männer, Kinder und Greise, Hoch- und Tieflandmenschen, Schwarze, Weiße und Indianer, Geschäftsleute, Bauern, Musiker, Straßenkinder. Elisabeth Hüttermann, die seit über zwei Jahrzehnten in Bolivien lebt, hat zusammen mit anderen diese Geschichten gesammelt und zunächst in Bolivien herausgegeben, um die Menschen dieses Landes selbst mit seiner bezaubernden Vielfalt bekannt zu machen. Auch für uns in Europa sind diese Lebensgeschichten bedeutsam, denn die Lebenserfahrungen von Menschen, vor allem armer Menschen in Lateinamerika, sind seit jeher die Grundlage jeder Befreiungstheologie: Die Pluralität ihrer Erfahrungen, Lebenseinstellungen, Hoffnungen und Wünsche machen auch die Pluralität der aktuellen Theologie der Befreiung verständlich. Daher ist dieses nur auf den ersten Blick kein theologisches Buch, denn es thematisiert die Erfahrungen, auf die Theologinnen und Theologen nicht verzichten können. Darüber hinaus ist es sehr angenehm zu lesen und mit vielen Fotos und Zeichnungen sehr liebevoll aufgemacht. Hintergrundinformationen zu den verschiedenen Herkunftsregionen der ErzählerInnen ergänzen ihre Geschichten und machen das Buch auch zu einer hervorragenden landeskundlichen Einführung.

Elisabeth Hüttermann (Hg.): Ich bin … Lebensgeschichten aus Bolivien, Zürich: Rotpunktverlag 2007, 260S., CHF 38,00 € 24,00 ISBN 3-85869-358-8