Freitag, 1. August 2008

Die Prophetin. Eine Biografie Dorothee Sölles


Stefan Silber

Dorothee Sölle starb vor fünf Jahren. Sie wäre 2009 achtzig geworden. Dies sind die Anlässe für eine erste knappe Biografie der Autorin, Theologin und Aktivistin für Frieden und Gerechtigkeit. Die beiden Stichworte aus dem Titel: Prophetin und Mystikerin, charakterisieren sie treffend. Dorothee Sölle schuf eine prägnante und provokative Theologie nach Auschwitz, „nach dem Tode Gottes“, setzte sich für Abrüstung und internationale Gerechtigkeit ein und erlebte als Mutter der „Politischen Theologie“ Ablehnung und Ausgrenzung in den Kirchen (nicht nur in ihrer eigenen, der evangelischen) und an der Universität. Sie lernte von der feministischen Theologie, von der Befreiungstheologie und schuf, nicht zuletzt mit ihrem poetischen Werk, eine Mystik der Befreiung, die Gott in den Kämpfen um Gerechtigkeit suchte und sich von ihm/ihr finden ließ. Die Biografie Ralph Ludwigs stellt Sölle mit ihren Lebensstationen in knapper Weise vor, nicht so sehr chronologisch als thematisch interessiert. Auch wenn man gelegentlich den Eindruck gewinnt, dass der Autor die Theologie Sölles nicht so ganz verstanden hat (oder verstehen will) bietet das Buch auch einen brauchbaren Überblick über die verschiedenen theologischen Fragen, mit denen Sölle sich auseinandergesetzt hat.
Wer gerne Hörbücher hört, kann sich eine gekürzte Version der Biografie auf CD anhören.

Ralph Ludwig, Die Prophetin. Wie Dorothee Sölle Mystikerin wurde. 120 S., 9,95 € (D) / sFr 18,60 / 10,40€ (A). ISBN 978-3-88981-239-1.
Audiobook: 9,90 €, ISBN: 978-3889812254