Pax Christi Nahostkommission widerspricht Bundesaußenminister Steinmeier und fordert sofortige Einstellung der israelischen Militärangriffe gegen Gaza.
Die pax christi - Nahostkommission widerspricht Außenminister Steinmeier, der für israelische Militärschläge gegen die Menschen in Gaza Verständnis zeigt. Die Äußerungen Steinmeiers bestärken nicht nur Israel in seiner perspektivlosen Palästina-Politik, sie zeigen auch die Hilflosigkeit der deutschen Nahost-Politik. Über 200 Tote und mehrere hundert verletzte Palästinenser, darunter auch Kinder, sind das Ergebnis der israelischen Angriffe vom 27. Dezember.
pax christi kritisiert die doppelten Standards in der Argumentation von Steinmeier für militärische Gewalt und die Parteinahme für die Gewalt einer Seite: Während Luftangriffe der Besatzungsmacht als Recht auf Selbstverteidigung eingestuft werden, wird die Gewalt der um Freiheit ringenden Palästinenser verurteilt. Militärisch ist der Konflikt nicht zu lösen.
Wir teilen die Besorgnis des Außenministers über die Eskalation. Nicht nur der Raketenbeschuss auf israelisches Gebiet muss aufhören, auch Israel muss seine Bombardierungen einstellen. Eine Bodenoffensive darf es nicht geben, Waffenstillstand sofort! Verhandlungen mit der Hamas sind jetzt notwendig, um die Einstellung der Raketenangriffe zu erreichen.
pax christi unterstützt die Forderungen der israelischen Friedensbewegung wie New Profile und Gush Shalom, die Verhandlungen statt Massaker und ein Ende der Blockade von Gaza fordern. Es sei die israelische Regierung gewesen, die den Waffenstillstand gebrochen hat, schreibt Gush Shalom, und verweist auf die Militäraktion der israelische Armee in Gaza in der Nacht der amerikanischen Wahlen, während der Palästinenser getötet wurden. Schon seit Monaten ist die Lage der palästinensischen Zivilbevölkerung besorgniserregend, da die israelische Besatzungsmacht wiederholt lebensnotwendige Einfuhren nicht zulässt. Israel als Besatzungsmacht ist dafür verantwortlich, dass die Bevölkerung des Gazastreifens ausreichend versorgt wird. Darauf muss die Bundesregierung drängen. Aushungern und Einsperren von 1,5 Millionen Menschen in Gaza ist keine Lösung.
Bundesregierung und EU fordern wir auf, sich ernsthaft für eine politische Lösung des Konflikts einzusetzen und nicht Verständnis für militärische Lösungen einer Seite zu zeigen. Der erste Schritt ist die Blockade des Gaza-Streifens zu beenden.
Quelle: Kontakt: Pax Christi Nahostkommission c/o Wiltrud Rösch-Metzler, Tel. 0711/ 2626720 paxchristi@roesch-metzler.de

Der Film beginnt mit Fernsehbildern aus Bolivien im Jahre 1990; in den Nachrichten wird das blutige Ende einer Geiselnahme gemeldet. Unter den getöteten Kidnappern des örtlichen Coca Cola-Managers befindet sich, so hört man den Sprecher, auch ein Deutsch-Italiener namens Miguel Nothdurfter. Wenig später sieht man in verwackelten Amateuraufnahmen einen kleinen Jungen, der auf einem Schlitten lachend in halsbrecherischem Tempo eine Piste hinunterjagt. Zwischen den beiden Sequenzen liegen gut 20 Jahre. Damals hieß Miguel noch Michael und nichts deutete in seiner beschaulichen Südtiroler Heimat darauf hin, dass er einmal als christlich motivierter Revolutionär in Südamerika einen frühen Tod finden sollte. In seinem Dokumentarfilm versucht Andreas Pichler, ein Schulfreund Michaels, zu ergründen, was in jenen 20 Jahren geschah. Er beginnt seine filmischen Recherchen in Bozen, lässt Michaels Mutter und dessen Bruder zu Wort kommen und aus dessen Briefen aus Südamerika vorlesen. Daraus ergibt sich der unauffällige Lebenslauf eines Jugendlichen zwischen Bergtouren und geselligen Abenden bei der christlichen Jungschar. Doch irgendwann reichte es Michael offenbar nicht mehr, seine Umgebung mit geistlichen Liedern zur Gitarre zu erfreuen. Mit 18 Jahren beschloss er, Missionar zu werden, und ging nach London, um Theologie zu studieren. Von dort zog es ihn, fasziniert von der Theologie der Befreiung, schon bald in der Überzeugung nach Bolivien, dass gelebtes Christentum den Entrechteten der Welt beizustehen hat. Nicht nur in Worten, sondern auch in Taten. Der Film folgt den Spuren von Michael, der sich bald Miguel nennt, in die Minen von Potosi und schließlich nach Bogota. In Gesprächen mit ehemaligen Gefährten und Zitaten aus Briefen an die Mutter, die immer wieder eingeschnitten werden, zeichnet sich eine zunehmende Radikalisierung in Michaels Denken ab, die ihn schließlich dazu bringt, sich dem bewaffneten Widerstand anzuschließen. In Interviews mit ehemaligen Kampfgefährten wird jedoch nicht nur der politische Aktivist, sondern auch der zunehmend unglückliche Mensch Miguel erkennbar, der bei allem Engagement ein Fremder unter Freunden blieb. Obwohl der Film von merklicher Sympathie für seinen Protagonisten geprägt ist, wird Michael/Miguel nicht zum Märtyrer stilisiert, da sich Andreas Pichler mit Wertungen zurückhält, sondern nur hie und da persönliche Erinnerungen an seinen Jugendfreund einfließen lässt. Stattdessen verwendet er einige Mühe darauf, dass Zeitkolorit der 1980er-Jahre in Europa nachzuzeichnen, als die politisch Engagierten nicht nur gegen Atomkraftwerke und die Nachrüstung protestierten, sondern auch großes Interesse für den lateinamerikanischen Kontinent zeigten. Zwischen Ponchos aus Umweltläden und dem Dreier-Album „Sandinista“, mit dem The Clash ihre Sympathie für die Revolution in Nicaragua bekundeten, wird hier eine Zeit lebendig, in der Michaels Werdegang gar nicht so exotisch war, wie es heute vielleicht erscheinen mag. Ein Element am Rande, das nach Bekunden des Regisseurs gleichwohl den Anstoß zu diesem Film gab, bleiben die Attentate islamischer Gotteskrieger, deren Taten ebenso aus ihrer Religion abgeleitet sind wie einst die des Theologiestudenten Michael Nothdurfter.