Die überarbeitete Diplomarbeit des österreichischen Theologen ist trotz des sperrigen Titels ein lesenswerter Beitrag zur Rezeption der Theologie der Befreiung im deutschsprachigen Raum. Die Rede vom „gekreuzigten Volk“, die 1978 in der Zusammenarbeit von Ellacuría und Romero erstmals in die öffentliche Diskussion eingebracht wurde, ermöglicht – wie Ebenhoch überzeugend zeigt – nicht nur eine erneuerte, an der Gestaltung der Geschichte orientierte Soteriologie, sondern beeinflusst auch die Ekklesiologie beider Autoren. Durch die Analyse und Diskussion dieses zentralen Begriffs macht Ebenhochs Arbeit die Theologie der beiden salvadorianischen Märtyrer für die Gegenwart zugänglich. Vor allem für Ellacuría ist dieser Zugang im deutschsprachigen Raum sehr wichtig, während Romero hierzulande schon sehr bekannt ist.
Ebenhochs Fragestellung und Herangehensweise ist fundamentaltheologisch: An der Haltung zu den gekreuzigten Völkern entscheiden sich die grundsätzliche Ausrichtung und die Methode der Theologie. Die Rede vom gekreuzigten Volk stellt so – wie Ebenhoch zeigen kann – die europäische Art, Theologie zu treiben, in Frage. Auch zwanzig oder fast dreißig Jahre nach ihrem Tod haben Ellacuría und Romero ihre Aktualität also nicht eingebüßt.
Markus Ebenhoch: Das Theologumenon des «gekreuzigten Volkes» als Herausforderung für die gegenwärtige Soteriologie (Religion, Kultur, Recht Bd. 10), Frankfurt/M. u. a.: Peter Lang 2008, 130 S. 27,50 € (D). ISBN 978-3-631-55995-6 br.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen