Paulo Suess berichtet auf seinem Blog vom IV. Symposium für "Teología India" - indigene Theologie, das vom 28.3. bis 2.4. 2011 in Lima (Peru) stattgefunden hat. Bezeichnenderweise stellt er den Bericht unter die Überschrift eines Buches von
Michel Foucault: Überwachen und Strafen (!)Immerhin mit dem Zusatz "Träumen" und ohne den Untertitel des Foucaultschen Werkes zu erwähnen.
Denn das Symposium war wie seine Vorgänger organisiert vom CELAM und fand unter hochrangiger Beteiligung der Glaubenskongregation statt (Levada). Schon der Titel zeigt, dass es um den Versuch geht, die Indigene Theologie an das kurze Halsband des katholischen Zentralismus zu nehmen: "Theologie der Schöpfung im katholischen Glauben und in den Mythen, Riten und Symbolen der christlichen indigenen Völker in Lateinamerika". Paulo Suess findet denn auch eine ganze Reihe zynischer Bemerkungen zur Vergehensweise und zum Ablauf dem Symposiums.
Immerhin, so zitiert er aus der Schlussbotschaft, geht es darum, "sich Christus zu nähern, der in den Kulturen der Völker gegenwärtig ist" - VOR der Missionierung, wenn ich sein Zitat richtig verstehe. Das wäre ja schon mal was.
Misstrauen, Vorsicht, Taktieren und Kompromisse schließen, das scheint das Leitmotiv dieser Art der indigenen Theologie zu sein. Das zeigt sich auch in der Zusammenfassung der Schlussbotschaft durch Felipe Arizmendi Esquivel, den Bischof der mexikanischen Diözese San Cristóbal de Las Casas (Nachfolger von Samuel Ruiz), der sich genötigt sieht, ausdrücklich festzuhalten: "Die Teologia India ist keine Befreiungstheologie". Hm. Das habe ich immer anders verstanden.
Hoffnung macht, dass die Vertreterinnen und Vertreter der indigenen Theologie, die in Lima anwesend waren, trotz des Taktierens sich nicht mundtot machen lassen - und kurzerhand ihre eigene Veranstaltungsreihe weiterführen. So wird das lateinamerikanische ökumenische Netzwerk AELAPI vom 10. bis 14. Oktober 2013 erneut zu einem kontinentweiten Treffen nach Quito einladen - unter dem Motto: "Wort Gottes - indigenes Wort" (so einfach kanns sein) - "Die Schöpfung stöhnt in Geburtswehen" - ob christkatholisch oder nicht.
Es ist also noch Raum zum "träumen", wie Paulo Suess auch festhält: Das Konzil und die Konferenz von Medellín haben auch in Lateinamerika nicht ihre Bedeutung und ihren Einfluss verloren.
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