Aus Anlass der so genannten Dialoginitiative der deutschen Bischöfe hat das "Sonntagsblatt", die Würzburger Kirchenzeitung, einige Leute eingeladen, einmal zu sagen, was sie unter Dialog eigentlich verstehen. An sich schon mal eine vernünftige Einsicht, über den Inhalt dieses Begriffs einmal nachdenken zu lassen. Da ich auch eingeladen wurde, meine Perspektive beizusteuern, bin ich nun zu der doch sehr zweifelhaften Ehre gekommen, zwischen zwei CSU-Abgeordneten (Barbara Stamm und Norbert Geis) auf einer Doppelseite des Sonntagsblattes zu stehen. Immerhin mit noch zwei anderen Autoren (Wunibald Müller, Günter Schmitt).
Ich habe versucht, mal einen Aspekt des so genannten Dialogs zu forcieren, der ansonsten in der öffentlichen Diskussion wohl eher im Hintergrund stehen wird.
Hier der Text:
Zum Dialog gehören mehr als zwei. Es geht um mehr als den Austausch von Standpunkten. Obwohl auch das allein schon wichtig ist. Denn den eigenen Standpunkt vertreten heißt nicht, ihn dem anderen aufzuzwingen. Und die Haltung des anderen zu verstehen heißt nicht, sich ihm zu unterwerfen oder eine bessere Strategie zu finden, ihn zu überwinden. Es geht darum, etwas Neues zu entdecken, vielleicht einen dritten Standpunkt, der alle Beteiligten weiterbringt.
Noch aus einem anderen Grund gehören zum Dialog mehr als zwei. Es gehören nämlich auch diejenigen dazu, die nicht an ihm beteiligt sind. Dazu gehören nicht nur diejenigen, „über die“ gesprochen wird, sondern auch alle, über die nicht gesprochen wird, weil sie verschwiegen werden. Es gibt immer Menschen, deren Teilnahme am Dialog verhindert wird, die mundtot gemacht werden. Auch sie gehören zum Dialog, und ihre Stimme muss im Dialog gehört werden – sonst dient er nur dazu, diese Menschen noch weiter auszuschließen.
In Bezug auf den innerkirchlichen Dialog bedeutet das nicht nur, dass die heiklen Themen auf den Tisch müssen und dass auch das Gespräch mit denen gesucht werden muss, die innerkirchlich an den Rand gedrängt wurden. Es bedeutet vor allem, dass er sich nicht auf die innerkirchlichen Themen beschränken darf. Die Kirche ist nicht für sich selbst da. Das Konzil stellt uns „besonders die Armen und Bedrängten aller Art“ (GS 1) vor Augen. Die Not der Menschen um uns und in der weiten Welt müsste eigentlich das erste und wichtigste Thema des innerkirchlichen Dialogs sein. Zu unserem Dialog gehören zuallererst die Armen und Bedrängten, ihre Hoffnungen und Freuden, ihre Trauer und Angst.
Ein Dialog in der Kirche, der diesen Namen verdient, behält das Reich Gottes im Blick und sucht seine Gegenwart in der Welt von heute zu erkennen. Den Streit, wer von seinen Jüngern der größte sei, hielt schon der Mann aus Nazareth für überflüssig.
2 Kommentare:
Insgesamt ein sehr schöner Beitrag. Eine Anmerkung zum zweiten Absatz: Wie sollen Stimmen, die nicht gehört werden, noch weiter aus dem Dialog ausgeschlossen werden? Steckt da nicht ein logischer Fehlerteufel im Detail, hm? ;-)
Und: Was meinst Du, gibt es den Begriff des "Trialogs", den u.a. Ulrike Bechmann bei einem anderen Thema, nämlich im Zusammenhang mit dem Gespräch der abrahmatischen Religionen, angewendet hat? Oder spricht man immer von Dialog?
Danke für den Kommentar. Natürlich gibt es immer mal Fehlerteufelchen, wenn man so um die Ecke argumentiert, wie ich das wieder mal in diesem Beitrag gemacht habe. Aber hier habe ich mich wohl mal wieder nicht genau genug ausgedrückt: Gemeint war nicht, dass Menschen, deren Stimmen nicht gehört werden, noch weiter "vom Dialog" ausgeschlossen werden (das wäre wirklich nicht ganz logisch), sondern "vom zusammenleben" oder "vom Dazugehören" oder so.
Und Trialog: Finde ich sinnvoll und möglich. Raimon Panikkar sagte mal: Trialog geht gerade noch, aber mehr nicht. Also "Polylog", wo jeder mit jedem reden soll - das führt nur zum Durcheinander.
Aber auch für den Trialog gilt natürlich, dass man die wichtigen Stimmen verschweigen kann. Und dann heißt es: Zuma Trialog gehören mehr als drei...
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