Mittwoch, 28. September 2011

Neuigkeiten aus Bolivien

Irene Tokarski hält mich mit neuesten Informationen aus Bolivien auf dem Laufenden und hat zugestimmt, ihre Texte hier veröffentlichen zu lassen:

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Liebe Freunde und Freundinnen,

gestern abend wollte mein Internet nicht funktionieren, so dass ich mich
nicht noch einmal melden konnte. Am Ende dieses langen Montages gestern war
immer noch nicht ganz klar, was nun in Yucumo gestern passiert ist.
Insgesamt waren rund 1500 Personen im Lager der Marchistas in Yucumo, davon
rund 200 Kinder. Mehrere Medien sprachen von einem toten Mädchen durch
Tränengas am gestrigen Nachmittag, aber das hat sich Gott sei Dank nicht
bestätigt.



Präsident Evo Morales hat gestern abend in einer Ansprache den Bau der
Fernstrasse ausgesetzt und zu einem Referendum unter den indigenen Völkern
und in den Departamenten Beni und Cochabamba aufgerufen, sowie die Gewalt
von gestern energisch verurteilt als „unverzeihbar“, eine internationale
Untersuchungskommission angekündigt und jede Verantwortung für die
polizeilichen Übergriffe abgelehnt. Das Innenministerium verkündete, dass
die Polizisten aus Notwehr gehandelt haben, weil sie von den Marchista
angegriffen wurden.

Den Indigenas genügt das nicht, dass niemand die Gewalt wollte und niemand
verantwortlich ist, und ich glaube auch nicht der Mehrzahl der Bürger. Viele
sprechen davon, dass der Innenminister zurücktreten muss: Sacha Llorenti
kenne ich aus den Protesten vor acht Jahren gegen die Gewalt von Gonzalo
Sanchez de Lozada, damals war er Vizepräsident der Ständigen
Menschenrechtsversammlung in Bolivien.

Die Verantwortlichen des Protestmarsches haben angekündigt, den Marsch nach
La Paz weiter zu führen. In allen grossen Städten haben sich Mahnwachen
gebildet, Gruppen im Hungerstreik, für Mittwoch hat die Central Obrera
Boliviana zu einem Generalstreik in La Paz aufgerufen.

Noch ist der Protestmarsch für den TIPNIS in Bolivien nicht beendet: waren
zunächst 500 Eingeborene auf den Barrikaden, danach einige Umweltschützer
dazu, ist heute der Grossteil der intellektuellen Mittelklasse, Lehrer,
Studenten und die Gewerkschaften auf der Strasse, um die Menschenrechte auf
Demonstration und Freizügigkeit zu verteidigen... Dieser Protestmarsch
beginnt gerade erst... und er ist keine 300 km von La Paz entfernt.

So eben ist der Innenminister Sacha Llorenti zurückgetreten....

Eine gute Nacht Euch allen.