Dienstag, 8. November 2011

Die Bibel in der Schule: Zwei Highlights

Gestern war ich zu einem biblischen Studientag mit Unterrichtsbesuch in der Schule - zum ersten Mal seit langem wieder im Religionsunterricht. Zwei tolle Highlights aus diesem Tag muss ich hier weitererzählen:

- Die Lehrerin der vierten Klasse erzählte im Stuhlkreis die Geschichte von der Frau mit dem gekrümmten Rücken (Lk 13,10-17). In der Mitte stand anschaulich eine gekrümmte und verschleierte Egli-Figur. Nach einiger Zeit, noch lange vor dem Höhepunkt der Geschichte, meldet sich ein Mädchen (Viertklässerin, also neun oder zehn Jahre alt) und fragt: "Hat die Frau auch nen Namen?" Mir blieb die Luft weg. Genau die Frage hatte sich der Evangelist Lukas nicht gestellt. Hoffentlich erhält das Mädchen sich diesen feministischen Frageimpuls.

- Nachher in der Auswertung zum Thema "Biblische Wundergeschichten im Religionsunterricht" erzählte eine der Seminarrektorinnen ein anderes Erlebnis, wohl auch aus der Grundschule. Nachdem in der Klasse die Erzählung von der Stillung des Seesturms erzählt worden war (z.B. Lk 8,22-25), stellte eine Schülerin begeistert fest: "Der kann ja mehr als Pippi Langstrumpf!" Wenn das mal kein altersgerechter christologischer Hoheitstitel ist! Genau die richtige Antwort auf die Frage: "Was ist das für ein Mensch?" (Lk 8,25) - "Der kann ja mehr als Pippi Langstrumpf!" Vielleicht sollten wir unsere Dogmatiker öfter mal in die Schule schicken.

3 Kommentare:

R. Adens hat gesagt…

Sehr geehrter Herr Silber!
Wiederum ein schöner Beitrag in Ihrem Blog. „Der kann ja mehr als …“ Ist, wenn ich das so sagen darf, genau die Reaktion, die Markus auch damals bei seinen Lesern, bzw. Hörern hervorrufen wollte. Allerdings wissen das viele Lehrerinnen und Lehrer nicht. Markus schrieb seine „Frohe Botschaft“ wohl zu kaiserlichen Zeiten in Rom. Und wer kannte da nicht die Geschichte vom alten Cäsar, der sich trotz Sturmwarnung auf den Weg von Griechenland nach Italien gemacht hatte. Der Bootseigner war nicht sonderlich begeistert, aber der hohe Gast wies darauf hin: Mach dir mal keine Sorgen, du hast Caesar an Bord. Es ist zwar niemand zu Schaden gekommen, aber den Sturm bezwingen, das vermochte Der Kaiser nicht. Und jetzt dieser Jesus. Ähnliche Situation, doch: Jesus ist besser als dieser Kaiser … Übrigens: Jesus lag damals hinten im Boot. Noch so ein Hinweis, dass Markus ganz bewusst eine Assoziationsbrücke zur Kaisergeschichte aufbauen wollte. Denn der Platz, auf dem Jesus lag, war für besondere Fahrgäste vorgesehen. Und die Frage: „Was ist das für einer?“ … Ich höre an dieser Stelle mal lieber auf.

mondoprinte hat gesagt…

Sehr schön sehr schön. Sitze gerade an den letzten Vorbereitungen zu einer Doppelstunde, die ich heute in einer 7. KLasse (Gymnasium, NRW) zum gleichen Thema durchführen möchte. Wenn ich mir anschaue, mit wieviel Liebe zum Detail einige der Schülerinnen und Schüler Jesus in einem Comic als Superhelden dargestellt haben, kann ich nur sagen: "Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder..." ;-)

Birgitta hat gesagt…

1. Klasse Grundschule - die Kinder sollen malen, wie sie sich Jesus vorstellen. Ein Junge malt Jesus mit zwei Star wars Licht Schwerter!
Es ist einfach immer wieder spannend mit Kindern zu theologisieren! Ich liebe es!