Dienstag, 17. November 2009

"Die Befreiungstheologie ist äußerst lebendig"

... sage mal ausnahmsweise nicht ich, sondern sagt Walter Altmann, Präsident der Evangelischen Kirchen L.B. in Brasilien und Vorsitzender des Zentralausschusses des Ökumenischen Rates der Kirchen. 

Lesenswerter Beitrag aus evangelischer Sicht. 



Montag, 16. November 2009

In memoriam

Heute vor zwanzig Jahren wurden Ignacio Ellacuría, fünf seiner Mitbrüder, Julia Elba und Celina Ramos ermordet. Hier und hier gibt es aktuelle Erinnerungen daran - sicher werden heute im Laufe des Tages noch viele dazukommen. Außerdem gibt es ja eine ganze Reihe von Erinnerungsveranstaltungen.
Vor zwanzig Jahren war Ellacuría für mich noch relativ unbekannt. Inzwischen habe ich gelernt, wie wichtig er für die Befreiungstheologie gewesen ist und bis heute ist. Deswegen heute eine spezielle Erinnerung an "Ellacu", nämlich an die Alternative, die er für die gescheiterte alte Wirtschaftsordnung (das war damals der "siegreiche" Kapitalismus) entworfen hat: Die Zivilisation der Armut.

O-Ton Ellacuría: "Die Zivilisation der Armut, basierend auf einem durch die christliche Inspiration umgeformten materialistischen Humanismus, lehnt die Akkumulation des Kapitals als Triebkraft der Geschichte und den Besitzgenuss des Reichtums als Prinzip der Humanisierung ab; sie macht die universale Befriedigung der Grundbedürfnisse zum Prinzip der Entwicklung und das Wachstum der gemeinsamen Solidarität zur Grundlage der Humanisierung."

Ignacio Ellacuría: Utopie und Prophetie. In: ders.; Jon Sobrino (Hrsg.): Mysterium Liberationis. Grundbegriffe der Theologie der Befreiung. Luzern 1995, Bd. 1, 383-431


Die Zivilisation der Armut hat vier Aspekte:

  • Prophetischer Aspekt: Sie klagt die jetzige historische Situation an, da sie Ausschluss produziert, die Ressourcen der Welt verschleudert und zu Gewalt und Krieg führt.
  • Partizipativer Aspekt: Sie geht nicht nur von den Armen aus, sondern stellt sich auf ihre Seite, übernimmt ihre Perspektive und ihre Wahrheiten. Die Bedürfnisse und die Logik der Armen stehen im Mittelpunkt dieser Zivilisation und nicht die Bedürfnisse des Marktes und des Kapitals.
  • Nachhaltiger Aspekt: Das Ziel der Zivilisation der Armut ist, es, die Grundbedürfnisse aller Menschen zu stillen, auch der zukünftigen Generationen. Auch wenn dies bedeutet, dass eine Minderheit der Weltbevölkerung – nämlich wir im Norden – dafür eine relative Armut in Kauf nehmen müsste. Ellacuría romantisiert die Armut nicht – er will ja die extremen Konsequenzen der Armut gerade überwinden. Aber er stellt die positiven Konsequenzen heraus, das zivilisatorische Potenzial, das eine relative Armut für uns im Norden des Planeten besitzen würde.
  • Spiritueller Aspekt: Auch für Ellacuría ist die Zivilisation der Armut ein spirituelles Projekt: Es verbindet den Glauben an die Menschenwürde und die Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft auch für die Armen mit der Liebe, die sich beim Blick in das Angesicht der Armen bewährt. Die Zivilisation der Armut ist ein Weg der Nachfolge dessen, der keine Erniedrigung gescheut hat, hin zum Leben im Reich Gottes, dessen Realität Jesus immer schon praktizierte. 

Das finde ich momentan sehr spannend. Ich werde sicher drauf zurückkommen.

    Sonntag, 15. November 2009

    Massaker im Mittelmeer: 77 Flüchtlinge tot

    Von einem unglaublichen Fall von unterlassener Hilfeleistung berichtet heute die junge Welt: Von 82 afrikanischen Flüchtlingen können nur fünf aus Seenot gerettet werden, weil die maltesischen und deutschen Soldaten sowie zahlreiche Seeleute die verirrten Menschen in ihrem Schlauchboot einfach ihrem Schicksal überlassen haben. Es ist unerträglich, dass deutsche Soldaten an diesem Massenmord beteiligt sind. Gegen die Massaker der "Nazis" oder genauer der deutschen Wehrmacht protestieren wir im sicheren Abstand von 60 bis 70 Jahren, gegen die Massenmorde unserer eigenen Armee schweigen wir.

    Freitag, 13. November 2009

    Heute mal zu Radio Vatican

    Heute mal ein Link zu Radio Vatican. Bleibt eine Ausnahme, ich versprechs ;-)
    Albert Biesinger zur Befreiungstheologie, aus Anlass der Tagung vom 31.10. in TÜ (die scheint Kreise zu ziehen). In dem Artikel von rv ist Johann Baptist Metz "ein prominenter Vertreter dieser so genannten (sic!) „Theologie der Befreiung“". Ob ihm das so recht wäre???

    Fundi-Watchblog: Befreiungstheologie? In Europa?

    Ein neuer Beitrag zur Debatte um die Theologie der Befreiung in Europa findet sich im Fundi-Watchblog: Befreiungstheologie? In Europa?

    Der Autor greift auf den Blogbeitrag aus Österreich, den ich vor ein paar Tagen kommentiert habe, zurück.

    Donnerstag, 12. November 2009

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen

    Die Kampagne Steuer gegen Armut hat nun eine elektronische Petition beim Deutschen Bundestag eröffnet, die man hier unterzeichnen kann. Der Text:

    Der Deutsche Bundestag möge beschließen: Bundesregierung und Bundestag werden aufgefordert, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen und dafür einzutreten, dass sie auch von anderen Ländern umgesetzt wird. Diese Steuer bezieht alle spekulationsrelevanten Finanztransaktionen ein. Bis diese Steuer EU- oder weltweit umgesetzt ist, sollen auf nationaler Ebene vorbereitende Schritte unternommen werden, z.B. unterstützende parlamentarische Entschließungen oder die Einführung einer Börsenumsatzsteuer.

    Info: http://www.steuer-gegen-armut.org/

    Mittwoch, 11. November 2009

    Tagungsbericht

    Ein interessanter und ausführlicher Tagungsbericht unter dem Titel: "Der Preis der Gerechtigkeit. Theologische Tagung auf den Spuren der Märtyrer", von Theresa Denger und Melanie Wurst, Freiburg i. Br., über die Tagung am 31. Oktober in Tübingen, kann auf www.theologieundkirche.de abgerufen werden (pdf).